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Frauen in der Sprache




Ich möchte gerne eine meiner Erfahrungen teilen: Vor einem Geschäftstreffen wurde ich von einer Führungskraft, und die Führungsebene, ebenso wie die Teilnehmer des Treffens, waren, ausser mir, ausschliesslich männlich, Folgendes gefragt: 1. "Bist Du auch eine dieser Feministinnen? Ich hoffe nicht, wir haben von denen schon genug hier." 2. "Was ist schief gelaufen, wenn die Frau im Wohnzimmer ist?" "Die Kette von der Küche ist zu lang." Braucht diese kleine Szene viele Erklärungen? Ich denke nicht. Die Leserin kann sich ihre eigene Meinung dazu bilden.


Women in Language

Obwohl diese letzte Szene sehr selten vorkommt, so können wir diese Einstellung in unserer Gesellschaft so ziemlich jeden Tag entdecken. Ich hatte ein recht nettes Gespräch mit einem ziemlich netten und positiven Kollegen, als er mich nach meinem gestrigen Tag fragte:

„Wie war dein Tag? Schön einen freien Tag zu haben, nicht?“

„Naja, danke der Nachfrage. Ziemlich produktiv. Ich konnte einige Arbeiten zu Hause erledigen.“

„Oh, ja sicher. Putzen und Waschen ist nicht so schwer wenigstens, oder?“

Ich musste erklären, dass ich eigentlich an der Organisation meiner Firma arbeiten musste, was das Design eines Newsletters, das Update der Homepage und einige andere Dinge in der Art beinhaltete, als ich nur diesen eigenartigen Blick erhielt und ein Lächeln, das daraus bestand, dass ein Teil seiner Lippe zusammen mit der Augenbraue auf der gleichen Seite nach oben rutschte. Er wollte nicht mehr davon hören und es war ziemlich klar, dass er meine Arbeit nicht ernst nahm.

Nun ist es immer noch möglich damit zu argumentieren, dass er eine Ausnahme sei, auf dem Land aufgewachsen war und mittels Zeitreise vom letzten Jahrhundert gekommen war. Aber lasst uns ein bisschen umsehen und uns die Sprache in Filmen, Uploads und Blog posts etwas unter die Lupe nehmen.

Frauen werden häufig in Filmen degradiert, wenn sie klein gemacht werden, indem auf sie mit der Bezeichnung Mädchen bezug genommen wird. Ist Dir jemals aufgefallen, dass ein junger Mann, so in den Mid-Zwanzigern, mit Junge bezeichnet wird? Klingt das nicht irgendwie ungewöhnlich? In einem Film vom Jahr 2011 („Drive“) stiss ich über einen Ausdruck, der immer und immer wieder gehört wird: „Deine Kleine.“ Die Gangster in dem Film nahmen auf eine weibliche Partnerin einer anderen Figur bezug. Versuchen wir uns mal vorzustellen, wie es klingt, wenn man einen jungen Herren mit „der Kleine“ bezeichnet, wenn von dem männlichen Partner einer Frau gesprochen wird. Sogar der englische Ausdruck „boy friend“ scheint irgendwie mehr fehl am Platz zu sein, als das Wort „girl friend“ für Erwachsene.

Weibliche Ausdrücke für Degraierungen zu verwenden ist Gewohnheit:

Vor ein paar Tagen war ich Zeugin einer solchen Erniedrigung. Ein Manager trug ein Tablett mit Gläsern und Getränken darauf, was normalerweise nie vorkommen würde, da dies eine Aufgabe ist, die er sonst delegiert. Sein Chef sah ihn und fragte ihn folgendes:

„Bist du nun die Frau?“

Da er der Chef ist, reagiert naturgemäss niemand. Die Teilnehmer des Meetings, welches gerade vorbereitet wurde, waren nur Männer.

Gender Gap

In genau derselben Firma, die sich selbst als internationale Firma bezeichnet, findet man eine Anschlagtafel mit den wichtigsten Hirnen der Firma, welche nur aus den Portraits von Männern besteht. Es sind offenbar alte Portraits, da niemand dieser Männer noch bekannt ist. Das Management, das auch die Managementaufgaben ausführt, besteht aus einigen Frauen, da sie das Resultat von kostenreduzierenden Massnahmen sind, weil Frauen für die gleiche Tätigkeit weniger Geld verlangen.




Als ich nach Hause kam und meinem Partner, der selbst Geschäftsführer ist, von dieser Szene erzählte, war seine Antwort, dass solche Ausdrücke in Konferenzen ganz normal wären. Von jüngeren Leuten und dem Internet sagt man, dass sie geschlechterbezogenen Themen gegenüber sensibler wären. Ein Beispiel für Degradierung konnte auch in einer Facebookwerbung gefunden werden: Ein junger Geschäftsmann gibt hier ein Beispiel dafür, wie schlechte Geschäfte auf sozialen Netzwerken funktionieren, indem er eine weibliche Version hervorhebt: „ ... nur eine dieser Damen, die sich selbst auf Instagram posten, ... .“ Mein Impuls war es, das Video sofort zu schliessen, in dem er etwas verkaufen wollte. Aber dann wurde das Ganze von einem sprachwissenschaftlichen, professionellen und wissenschaftlichen Gesichtspunkt interessant. Daher analysierte ich seine Sprache nur noch mehr. Es stellte sich heraus, dass sie widersprüchlich, voll von Stereotypen und beleidigend war; auf eine subtile Weise, manchmal sehr versteckt, aber es war da. Manche Frauen haben es wahrscheinlich noch nicht bewusst bemerkt, aber ich bin mir sicher, er könnte mehrere Frauen als Kundinnen gewinnen, wenn er sie in seine Sprache integrieren würde. Unser Privatleben ist auch unter sehr offen denkenden und toleranten Menschen nicht frei von der Meinung, dass Frauen den Männern unterlegen sind. Sogar die Jüngsten nehmen diese Einstellung an. Während eines Besuches wunderte sich eine Fünfjährige über die Brille meines Partners. Sie meinte, dass normalerweise nur Frauen Brillen tragen würden. Nachdem wir sie gefragt hatten, wie sie auf diese Idee gekommen war, erklärte sie, dass Frauen einfach dümmer wären, als Männer. Als sehr junges Mädchen konnte sie bereits Fakten über ihre zukünftige Rolle in der Gesellschaft wahrnehmen, wenn auch nicht bewusst so interpretieren. Wie diese Beispiele zeigen, ist die (männliche) Sprache unserer Gesellschaft noch nicht auf Gleichberechtigung ausgelegt. Sie zeigt die innere und tatsächliche Einstellung über Frauen und ihre Rolle in unserer Gesellschaft. Auch wenn Frauen als Kundinnen gesehen werden sollten, wird von ihnen erwartet, dass sie ruhig ihre Rolle einnehmen. Aber nehmen wir sie nicht wirklich ein? Schweigen wir nicht deshalb, weil wir Angst haben, unseren Job zu verlieren? Nehmen wir nicht auch an diesem Spiel teil? Sind es nicht die Frauen, die ihre Söhne erziehen? Diese Fragen können nicht so einfach beantwortet werden, aber indem wir darauf achten welche Kraft unsere Sprache hat, können wir schon zu einem faireren Leben beitragen.


Julia BURGstaller is the founder of BQT Global and she is a mentor at Empowr International.

You can find more about her and her work at www.bqt.global

You can contact Julia via email at office@bqt.global

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